CD Review Jazz’n’More

joleste – «who knows?»
Intim und schlicht von der ersten Sekunde weg: Eine Stimme mit luftigem Timbre hebt an und erzählt die «Ballad Of The Sad Young Men» (Frances Landesman). Auch die beiden folgenden Tracks sind eher introspektive Nummern mit zarten Texturen und von träumerischer Stimmung. Mit dem vierten Track, einer Cover-Version von Keith Jarretts «Memories of Tomorrow», zieht das Tempo an, kommt Lebendigkeit und Lebensfreude auf. Esther Bächlin lässt in kurzen Schüben ihre Virtuosität durchblitzen, die sie sonst souverän in den Dienst der Songs stellt, die natürlich im Mittelpunkt stehen. Zwei Nummern hat sie selber beigetragen, mehrere Stücke haben Jolanda Brunner und Robert Bossart geschrieben, die restlichen sind Standards, unter anderem auch «Lonely Woman» von Ornette Coleman. Die Sängerin, die an der Musikhochschule Luzern bei Lauren Newton, Norma Winston und Bruno Amstad Jazzgesang studiert hat, ist auf diesem Duo-Projekt in ihrem Element. Sie haucht, singt, strömt und scattet sich durch die verschiedenen Gefühlsspektren. Sozusagen im hautnahen Kontakt mit der Stimme agiert Esther Bächlin, die sonst eher mit Musik im Grenzbereich Klassik-Jazz-Freie Improvisation beschäftigt ist, was in gewissen grenz-harmonischen Akzenten zweifellos und mit Gewinn zu hören ist. Die beiden Musikerinnen bewegen sich trittsicher in diesem exponiert-intimen Setting.

Pirmin Bossart